Datenschutz

Entscheidungsbaum: Was tun bei einer DSGVO-Anfrage?

Eine Anfrage wurde gestellt: Mail an den Vorstand, Brief in den Briefkasten, Klick im Mitgliederportal. Dieser Leitfaden führt in 5–10 Minuten zum richtigen Knopf in der App.

#Schritt 1 — Anfrage erfassen

Wenn das Mitglied die Anfrage selbst im Portal ausgelöst hat (Klick auf „Datenkopie anfordern" oder Marketing-Opt-Out), ist das Ticket schon angelegt — direkt zu Schritt 3.

Sonst: auf Datenschutz → Datenschutz-Anfragen gehen, „Anfrage anlegen" klicken und:

  • Mitglied verknüpfen, falls aus dem Verein (sonst „Externe Person" wählen)
  • E-Mail und Name eintragen
  • Eingangsdatum auf den tatsächlichen Eingangstag setzen — die Monatsfrist läuft ab hier
  • Eingangsweg festhalten (E-Mail, Brief, persönlich)
  • Im Beschreibungs-Feld den Wortlaut der Anfrage einfügen oder zusammenfassen

#Schritt 2 — Identität prüfen

Vor jeder Erfüllung muss klar sein, dass die Anfrage tatsächlich von der betroffenen Person stammt — sonst ist die Auskunft selbst eine Datenpanne.

Quelle Identität gesichert?
Klick im eigenen Portal-Login Ja — über Login
E-Mail von der hinterlegten Adresse Wahrscheinlich — bei Zweifeln nachfragen
E-Mail von unbekannter Adresse Nein — Identitätsnachweis anfordern (z. B. unterschriebenes PDF, Telefonat mit Rückruf)
Brief mit Unterschrift Ja, wenn Unterschriftenvergleich möglich
Anfrage „im Namen von …" durch Dritte Nur mit Vollmacht

Wenn die Identität nicht gesichert werden kann, ist Ablehnung erlaubt (Art. 12 Abs. 6 DSGVO). Bevor abgelehnt wird: einmal kostenlos zusätzliche Informationen anfordern.

#Schritt 3 — Typ bestimmen

Worum geht es konkret?

#Auskunft (Art. 15)

„Ich möchte wissen, welche Daten Sie über mich gespeichert haben."

Vorgehen:

  1. Im Anfrage-Flyout sicherstellen, dass das Mitglied verknüpft ist
  2. Unter „Ergebnis"„Datenkopie jetzt erstellen" klicken
  3. Status springt automatisch auf „In Bearbeitung"
  4. Sobald die ZIP fertig ist (üblicherweise <2 Minuten), wird sie an die Anfrage geheftet
  5. Mail mit Download-Link wird automatisch verschickt
  6. Status manuell auf „Erfüllt" setzen, kurz dokumentieren

Häufige Fragen: Was ist in der ZIP? Alle Stammdaten, Pacht- und Beitragsverlauf, Wasserstände, Arbeitsstunden, Korrespondenz, Sprechstunden-Erwähnungen. JSON für Maschinen, PDF für Menschen.

#Berichtigung (Art. 16)

„Meine Anschrift hat sich geändert" / „Mein Name ist falsch geschrieben."

Vorgehen:

  1. Korrektur direkt im Mitgliederprofil vornehmen — Änderungen landen im Audit-Log
  2. Im DSGVO-Ticket kurz dokumentieren, was geändert wurde
  3. Status auf „Erfüllt" setzen

Falls die „Berichtigung" eigentlich eine Ergänzung ist (z. B. eine bestimmte Anmerkung soll gespeichert werden) — Art. 16 Satz 2 verpflichtet zur Ergänzung, soweit angemessen.

#Löschung (Art. 17)

„Bitte alle meine Daten löschen."

Vorgehen:

  1. Prüfen, ob das Mitgliedsverhältnis bereits beendet ist. Aktive Mitglieder können nicht gelöscht werden — der Mitgliedsvertrag steht entgegen.
  2. Prüfen, ob Aufbewahrungspflichten entgegenstehen (offene Rechnungen, laufendes Mahnverfahren, Versicherungsfall) — falls ja, Einschränkung statt Löschung anbieten.
  3. Wenn frei: im Mitgliederprofil → „Anonymisieren" klicken. Identifizierende Felder werden ersetzt, die buchhalterische Hülle bleibt für die §147-AO-Frist erhalten.
  4. Im Ticket den Vorgang dokumentieren, Status „Erfüllt".

Wenn abgelehnt werden muss (z. B. wegen Aufbewahrungspflicht): in der App per „Abgelehnt"-Status mit Begründungs-Text festhalten. Die App schickt eine standardisierte Ablehnungs-Mail mit Hinweis auf das Beschwerderecht.

#Einschränkung (Art. 18)

„Solange das geklärt ist, bitte nichts mehr mit meinen Daten machen."

Vorgehen:

  1. Im Mitgliederprofil → „Verarbeitung einschränken"
  2. Mitglied geht in einen Read-only-Modus: keine Rechnungen, keine Newsletter, keine Begehungen
  3. Ticket dokumentieren, Status „Erfüllt"

Anders als bei Löschung: die Daten bleiben unverändert bestehen, sie werden nur nicht mehr verarbeitet. Aufheben kann der Vorstand jederzeit, wenn der Grund entfällt — das Mitglied muss aber informiert werden.

#Datenübertragbarkeit (Art. 20)

„Ich möchte meine Daten in einem maschinenlesbaren Format."

Vorgehen: Identisch zur Auskunft. Die ZIP-Datei mit JSON ist das anerkannte portable Format.

#Widerspruch (Art. 21)

„Bitte keine Newsletter mehr." / „Ich möchte nicht mehr automatisiert kontaktiert werden."

Vorgehen:

  1. Im Mitgliederprofil → Marketing-Opt-Out setzen — Newsletter & Marketing-Mails stoppen sofort
  2. Pflichtkommunikation (Rechnungen, Mahnungen, Vorstandseinladungen, Begehungstermine) läuft weiter — sie basiert auf Vertrag bzw. gesetzlicher Pflicht, nicht auf Einwilligung
  3. Ticket auf „Erfüllt"

#Schritt 4 — Frist im Auge behalten

Tage seit Eingang Bedeutung
0–22 Grünes Frist-Badge — entspannt bearbeiten
23–30 Gelbes Badge ab 7 Tagen vor Fristablauf — Erinnerung im Bell-Widget
> 30 Rotes Badge — überfällig. Sofort handeln.

Fristverlängerung ist möglich (Art. 12 Abs. 3 Satz 2 DSGVO): einmal um zwei weitere Monate, wenn die Anfrage „besonders komplex" ist oder wenn der Vorstand viele Anfragen gleichzeitig hat. Im Flyout das Verlängerungs-Feld nutzen und Begründung dokumentieren. Das Mitglied muss innerhalb der ursprünglichen Frist über die Verlängerung informiert werden.

#Schritt 5 — Wann ist Ablehnung erlaubt?

Eine Ablehnung muss begründet werden (Art. 12 Abs. 5 DSGVO). Zulässige Gründe:

  • Identität nicht bestätigt (Art. 12 Abs. 6)
  • Gesetzliche Aufbewahrungspflicht entgegenstehend (z. B. Steuer-/Handelsrecht für Rechnungen)
  • Rechte Dritter würden verletzt (z. B. „bitte alle Daten aus dem Begehungsprotokoll" — andere genannte Personen)
  • Offensichtlich unbegründet oder exzessiv (Art. 12 Abs. 5 Satz 1 lit. b) — z. B. dieselbe Person stellt zum dritten Mal in 14 Tagen die gleiche Anfrage. Hohe Hürde, in der Begründung dokumentieren.

Die App schickt bei „Abgelehnt"-Status optional eine Standard-Mail an den Antragsteller — inkl. Hinweis auf das Beschwerderecht bei der Aufsichtsbehörde.

#Schritt 6 — Abschluss

Auch nach „Erfüllt" oder „Abgelehnt" bleibt das Ticket dauerhaft in der Liste sichtbar (Filter „Alle"). Das ist Absicht — der Beleg, dass die Anfrage fristgerecht bearbeitet wurde, wird benötigt, falls die Aufsichtsbehörde nachfragt.

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